Über das Scheitern

Ein Grund, weshalb wirkliche Nachhaltigkeit nicht so richtig voran kommt, hat mit der Angst des Menschen vor dem Scheitern zu tun. Es erscheint leichter, nur oberflächlich etwas zu variieren, als wirklich im Kern etwas zu ändern. Das geht eine Zeit lang sogar gut. Nun gibt die EU Gesetzgebung Schritt für Schritt vor, dass Unternehmen Wege einschlagen sollen, die sie bisher nicht kennen. Mittelfristig werden die derzeit hochprofitablen Geschäftsmodelle verboten werden. Das bedeutet, dass das größte Risiko darin liegt, nichts zu ändern. Unternehmen, die sich jetzt keine Nachhaltigkeitsstrategie überlegen, werden erst abgehängt und dann illegal. Damit existieren sie nicht mehr. Das bereitet derzeit vielen Sorgen. Es wäre sinnvoll, sich weniger auf die Ängste, sondern verstärkt auf die Chancen zu konzentrieren: Eine lebenswerte Welt für alle.  


Wir Moschs sind mehrfach gescheitert, wieder aufgestanden, wieder gescheitert, haben reflektiert, gelernt, und nun das erste zirkuläre Fahrradkonzept der Welt geschaffen. Wir wurden von dem ein oder anderen ausgelacht, ignoriert, kriminalisiert, nicht ernst genommen. Wir haben Läden versucht, die ohne Vororder, mit hohem Reparaturanteil und mit höheren Gehältern funktionieren sollten. Wir haben die markenoffene Werkstatt gelebt. Wir haben Kooperationen mit Internetanbietern getestet. Wir haben Upcycling-Fahrräder in unzähligen Varianten versucht. Einiges hat funktioniert, anderes flog uns um die Ohren. Menschen, die noch nie etwas in ihrem Leben gewagt haben, sagten: Ich hab doch gewusst, dass das nichts wird. Das muss man aushalten, wenn man etwas verändern will. Unsere Kultur ist gnadenlos: Wer scheitert, hat einen Makel. Man lernt schon in der Schule, dass Fehler etwas Negatives sind. Das Gegenteil ist der Fall: Der Mensch kann nur lernen, indem er Fehler macht. Dann lernt er sogar sehr schnell. Wir benötigen für nachhaltigere Produkte also eine positive Fehlerkultur in den Unternehmen und in der Gesellschaft. Räume für Kreativität, ergebnisoffenes Arbeiten und Budgets ins Unbekannte könnten so viel bewirken. Stattdessen wird am Altbekannten festgehalten. Das, was wir weltweit schaffen sollen, nennt sich Transformation. Also die Verwandlung von der Raupe zum Schmetterling. Und wir geben uns mit der Raupe zufrieden, weil wir Angst vor Veränderung haben. 


Traut euch. Macht Vorschläge. Stellt Forderungen. Fangt an. Setzt um. Fallt hin. Lernt. Steht wieder auf. Und wir können alles bewegen, was wir wollen.